2. Ranglistenturnier in Saarlouis am 05.10.2013

…und wieder war es eines dieser denkwürdigen Wochenenden…

Als sich 4 Tänzerinnen auf den Weg zum 2. Ranglistenturnier für Solo-Tänzerinnen nach Saarlouis machten, herrschte eher Skepsis als Zuversicht. Zwar ist Sarah, durch eine Saison bei LNE sowie verschiedene Wettkämpfe in den Lateinamerikanischen Tänzen, sicherlich schon sehr turniererfahren, dennoch war es ihr erster Einsatz bei einem Solo Turnier. Hingegen haben sich Mona, Hanna und Kristina vorher noch nie in ihrem Leben einem tanzsportlichen Wettkampf gestellt. Außerdem trifft man bei Ranglistenturnieren fast nur auf Tänzerinnen aus Bundesligateams; wir tanzten in diesem Jahr bekanntlich in der Verbandsliga.

Insofern gab es für alle Beteiligten zwei Ziele:
1)      Mit der eigenen Choreographie durchkommen, ohne sich zu verletzen!
2)      Spaß haben!!

Die Reise nach Saarlouis verlief, trotz der Deutschen Bahn, ohne große Schwierigkeiten. Zwar musste beim Umsteigen am Mannheimer Hauptbahnhof ein Zwischenspurt eingelegt werden, um den Anschlusszug zu erreichen (wobei Kristina es anscheinend schaffte, sich während des Laufens eine Zigarette zu drehen und diese innerhalb von 30 Sekunden aufzurauchen), aber dennoch wurde der Zug nach Saarbrücken ohne weitere Probleme erreicht.

Im neuen Abteil angekommen, stellte man zunächst die Funktionalitäten der in den Armlehnen versenkten (äußerst dreckigen) Tischchen sicher und ruckelte die schmierigen Komfortsitze zurecht.

Mit dem Taxi ging es dann, mit einem wahrscheinlich durch den Rennsport geprägten Fahrer, weiter nach Saarlouis. Kurz nach der Ankunft in Victors Residenz, (es handelt sich hier weder um ein Altenheim noch um ein Stammhaus örtlicher Vampire) lernten wir auch noch das NEUE „Burger King“-Restaurant kennen. Gestärkt, aber trotzdem schon relativ aufgeregt, ging man danach ins Bett.

Guten Morgen! Zum Frühstück mussten unsere vier Tänzerinnen förmlich überredet werden, derart aufgeregt war man vor dem für alle ersten Soloauftritt.

In der Halle herrschte eine ruhige und freundliche Atmosphäre. Die Stellprobe wurde dieses Mal für alle Solistinnen gemeinsam durchgeführt. Es wurde zwar sehr voll auf der Fläche, aber man hatte im Gegenzug auch mehr Zeit zur Verfügung, sich auf die Gegebenheiten einzustellen.

Sarah und Hanna waren mit den Startnummern 8 und 9 die ersten LNE-Tänzerinnen, die ihren Vortrag präsentieren durften. Beide zeigten sich gegenüber den Trainingsdurchgängen sehr verbessert. Mona startete als 19. und rockte mit ihrer unkonventionellen Kür  – im wahrsten Sinne – die Halle. Als auch noch Kristina (als 29.) eine sehr gute Präsentation zeigte, waren alle zufrieden.

Dann begann das Warten auf das Ergebnis der Vorrunde. Bei einer derart starken Konkurrenz hatten wir uns nicht zu träumen gewagt, was dann kam: Alle LNE-Tänzerinnen hatten sich für die 1. Zwischenrunde qualifiziert. Jackpot!!!  Alle waren perplex und mussten zunächst auf die aushängte Ergebnisliste schauen um zu realisieren, was da gerade passierte. Um den Stellenwert dieses Ergebnisses zu verdeutlichen muss erwähnt werden, dass sich in der Vorrunde z.B. Bundesligatänzerinnen verabschiedeten, die zudem auch schon im Semifinale des ersten Ranglistenturniers in Wetzlar standen.

Deutlich gelöster ging man in die Vorbereitung für die nächste Runde. Da sich natürlich mehrere Tänzerinnen nicht für dieses Viertelfinale qualifizieren konnten, veränderte  sich demnach auch die Startreihenfolge. Kristina  hatte das Los gezogen, direkt hinter der großartigen Louisa Brebeck aus Wuppertal zu tanzen, die die Deutsche Rangliste derzeit anführt. Trotzdem gelang ihr eine deutliche Steigerung zur Vorrunde. Mona begeisterte wieder mit  Ihrer Choreographie zu einer Metall-Version des „Turtles“-Klassikers „Happy Together“. Sarah fühlte sich auch sichtlich wohler, als sie mit Ihrer außergewöhnlichen Dynamik und hohen Sprüngen Ihren Vortrag zum mysteriösen „AHA!“ von „Imogen Heap“ zum Besten gab. Und auch Hanna war überglücklich mit der ästhetisch-ausdrucksstarken Darstellung der „Baby-Doll“ nach dem psychodelischen Song „Sweet Dreams“ von Emily Browning.

Als die Qualifikantinnen für das Semifinale aufgerufen worden, waren noch immer 2 Tänzerinnen im Rennen. Sarah und Hanna verabschiedeten sich mit ausgezeichneten Anschlussplatzierungen auf einem geteilten 13. Platz.

12 Tänzerinnen bereiteten sich nun auf die nächste Runde vor und Mona sowie Kristina waren noch dabei… Beide für die „Konkurrenz“, die Zuschauer und die Wertungsrichter komplett unbekannt; aus einem (für diese Sportart) unbekannten Verein mit einer unbekannten JMD-Formation.

Kristina hatte noch immer nicht so richtig verstanden, wie Tanzturniere ablaufen und fragte, nicht ohne Scheu: „Muss ich schon wieder direkt hinter Louisa Brebeck tanzen?“ Antwort: „Nein, direkt davor.“  Bei ihrem dritten Auftritt war ihr zum ersten Mal die Aufregung anzumerken. Dementsprechend unzufrieden mit ihrem Vortrag im Semifinale verließ sie die Fläche und zog sich erst einmal um. Dabei ging es ihr gar nicht um eine potentiell verpasste Qualifikation für das Finale, denn unsere Mädels haben an diesem Tag schon mehr erreicht, als wir uns das jemals vorgestellt haben. Vielmehr war sie enttäuscht darüber, dass sie das eigene, hohe Niveau der 1. Zwischenrunde hier nicht wiederholen konnte.

Mona war sehr konzentriert bei der Sache und bereitete sich mit einem „Tunnelblick“ auf ihren Auftritt vor. Abermals bot sie eine sehr gute Leistung mit ihrem außergewöhnlichen Thema.

Als dann der Turnierleiter die Finalistinnen bekannt gab wurde allen bewusst, dass wir eine Tänzerin im Finale eines Turniers der Deutschen Rangliste im Jazz-und Moderndance hatten. Kristina hatte auf ihrem ersten Turnier etwas geschafft, wovon andere Tänzer oftmals vergeblich träumen. Sie stand im Finale mit WM-Teilnehmern, Deutschen Meistern und Bundesligatänzern.

Mona belegte einen hervorragenden 10. Platz in einem sehr starken Feld, in dem die meisten Tänzerinnen, die beim ersten Ranglistenturnier vor 4 Wochen die hinteren Ränge belegten, fehlten.

Und was macht Kristina? Sie bereitet sich auf die nächste Runde vor; weiß aber noch immer nicht, was gerade passiert und wähnt sich glücklich im Semifinale. Sie freut sich schon darauf, die anderen gleich noch einmal tanzen zu sehen. Hallo Kristina!!! Finale!!!! Besser geht´s nicht!!! Danach ist hier Schluss!!! Es kommt nur noch die Siegerehrung!!!!

Ungläubigkeit! OK..dann noch mal ran. Dieses Mal sehen alle wieder eine Kristina in Bestform. Ihre unglaubliche Beweglichkeit, gepaart mit anspruchsvoller Technik, balancierten Drehungen und herausragenden weichen und fließenden Abläufen ziehen alle in ihren Bann. Kaum einer Tänzerin gelingt es, die Musik derart mit Leben zu füllen, und sich zu Eigen zu machen.

Am Ende gab es viel Applaus und Aufmerksamkeit bei einem sensationellen 7. Platz (mit einer 3) im Finale! Zwar musste der Fotograf beim Siegerfoto Kristina darauf aufmerksam machen, dass sie die Urkunde falsch herum hielt, doch das störte wirklich niemanden mehr.

Nach einem kurzen Spaziergang zum Hotel und einer wohlverdienten Dusche trafen sich alle durchweg zufrieden, um den Tag in einem Italienischen Restaurant direkt neben dem Saarlouiser Oktoberfest ausklingen zu lassen.  Obwohl es mittlerweile wie aus Eimern schüttete, konnte nichts die Stimmung unserer „Phantastischen 4“ erschüttern.

Am nächsten Morgen ging es über Saarbrücken und Frankfurt wieder gen Hamburg. Wobei man noch erfuhr, dass eine Bahn meistens pünktlich kommt, wenn sie keine Verspätung hat, man für 30 % Ermäßigung eine „Nightmare aus Mohair“ erwerben kann, Kinder gerne gegen verschlossene Glastüren laufen, Hannas Lache ganze Züge unterhalten kann, Menschen ohne Sitzplatzreservierung vergeblich auf die Existenz eines Speisewagens setzen, Sarah und Mona sich dieses Wochenende kaum  verletzten, Kristinas Reisetasche eigentlich immer nass ist und es sehr anstrengend für Unbeteiligte sein kann, wenn man in einem Abteil mit einer Horde Tänzern sitzt.

In zwei Wochen werden alle LNE-ler, die sich dieses Jahr schon auf Ranglistenturnieren präsentiert haben, in Wuppertal wieder an den Start gehen.  Das heißt: 6 Soli, ein Duo und eine Small Group.

Wir freuen uns riesig auf ein weiteres, denkwürdiges Wochenende.