Viertbeste Moderntänzerin der Welt*!!! Kristina im Finale der Weltmeisterschaft!!!

Bild: Andreas Hofmann

Tagebuch einer teils unerwarteten Reise…. (frei nach Tolkien)

(Mal wieder ein sehr langer Bericht. Aber um die Eindrücke auch nur im Entferntesten wiedergeben zu können, war das „leider“ nötig. Dennoch werden die eingefügten Bilder und Videos dem Geschehen nicht annähernd gerecht)

 

 

 

 

 

 

 

Dienstag 09.12.2014
Nach dem sensationellen Abschneiden aller LNE-Tänzerinnen bei den Ranglistenturnieren und dem Deutschlandpokal ging es nun mit der Dritten aus Deutschland zur WM nach Polen um das erste – und vielleicht auch einzige Mal, die internationale Tanzluft zu schnuppern. Über Frankfurt flog man nach Warschau um von dort im Mietwagen nach Ostpreußen aufzubrechen…genauer nach Mikolajki, eine 3.800 Seelen- Gemeinde mitten im Gebiet der Masurischen Seenplatte.

   

Wir hörten schlimme Dinge über den Weg, die Straßenverhältnisse und die Fahrweise unserer polnischen Nachbarn…..Und alles sollte sich, zumindest auf der Hinfahrt, als Realität herausstellen. Die gut 4 Stunden Fahrzeit durch Dunkelheit, Kälte und dichten Nebel wurden uns abwechslungsreich durch Amokfahrer und irritierte Füchse auf der Straße versüßt.

     

Jedoch entschädigte das Ankommen im Veranstaltungshotel für die durchlebten Strapazen. Ein riesiger Komplex… in dieser Woche komplett in der Hand von Tanzverrückten aus der ganzen Welt… Uns wurde sofort warm ums Herz…. selbst bei unserer Ankunft gegen Mitternacht probten noch Menschen auf den Gängen und in den Veranstaltungssälen. Also: Sachen schnell aufs Zimmer und ab zum nächtlichen Spontantraining…..SPONTAN….das Wort dieser WM! Gegen 1.30 Uhr ging man dann etwas beruhigter ins Bett…

Mittwoch 10.12.14
8:00 Uhr: Reichhaltiges Frühstück für Anna und Marc neben Jamaika…sorry Südafrika und Kanada. Kristina hatte gar keinen Appetit..warum nur?
Gegen 9:00 Uhr ging es dann in den Saal 2, wo die Vorrunde der Solistinnen/Modern gegen 10:30 Uhr starten sollte.

Startliste

Deutschland war super organisiert. Thorsten Süfke, Stefan Wendt und Alexander Dölecke kümmerten sich hervorragend um das deutsche Team. Sie Informierten die Tänzer über SPONTANE Verschiebung der Startzeiten oder –reihenfolge, kümmerten sich darum, dass die jeweiligen Turniermusiken auch rechtzeitig bereitlagen und standen auch sonst immer parat um gerade denen zu helfen, die das erste Mal auf so einer Veranstaltung weilten und denen alles so unglaublich unwirklich vorkam.. Danke!!!

Bild: Andreas Hofmann

Kristina startete an 28. Position der 39 gemeldeten Starterinnen. Kurz nach einer starken Jamaikanerin…sorry Südafrikanerin**** und direkt vor einer slowenischen Finalistin der letzten WM. Motiviert durch den Applaus anwesender deutscher Tänzer und Fans gelang ihr ein wirklich guter Vorrundendurchgang… Insofern wäre sie jetzt schon mit dem Geleisteten zufrieden gewesen. Allein die Qualifikation war ja schon ein nicht für möglich gehaltener Erfolg in einem Sport, bei denen die Bewertung oftmals mit Namen, Länder – oder Vereinszugehörigkeiten zusammenhängt. Und da Kristina international absolut unbekannt war und sie zudem noch in einem Team tanzt, welches erst in diesem Jahr den Aufstieg aus der Oberliga feierte, freuten wir uns darauf, in den nächsten Tagen das phantastische Tanzen der Anderen zu bestaunen. Doch als die Listen der Qualifikantinnen für das Viertelfinale ausgehängt wurden, konnten wir unseren Augen nicht trauen. Kristina stand im Viertelfinale der besten 24! Das mit Theresa Meckel, Anna Ziegler und Louisa Sophie Brebeck alle deutschen Tänzerinnen die nächste Runde erreichten, machte diesen Tag dann richtig rund.

2 Viertelfinalistinnen

Weitergehen wird es erst am nächsten Tag…also jetzt erstmal erholen, gucken und genießen.
Am Nachmittag gab es dann noch das Fotoshooting der 147 Mitglieder des „TEAMS DEUTSCHLAND“. Neben Polen, Kanada, Jamaika…sorry Südafrika und Slowenien, stellte Deutschland die meisten Sportler. Hervorheben muss man auch die herzliche Atmosphäre im „Team“…und das spürt man nicht nur auf der Fläche. Hinzu kam, dass es schon einige deutsche Finalteilnahmen und sogar Medaillen gab. Ein schöner Tag.

 

Team Deutschland

Nach dem Abendessen folgte wieder ein SPONTANtraining bis Kristina von der fleißigen Putzkolonne, im wahrsten Sinne des Wortes, von der Fläche gefegt wurde. Wieder tat es ihr gut, diese Einheit eingeschoben zu haben…gab doch extreme Sicherheit für den anstehenden Durchgang.

 

WM-Teilnehmerinnen unter sich

Donnerstag 11.12.14
Das Viertelfinale stand an…allerdings erst um 19:30 Uhr. Deshalb konnte man den ganzen Tag Kontakte knüpfen, Landsleute anfeuern und weiterhin grandioses Tanzen bewundern. Gerade die Tänzer/innen aus Slowenien und Jamaika…sorry Südafrika, begeistern durch perfekte Technik und großartige Choreographien.
Da es im letzten Jahr, selbst bei einem kleineren Feld, noch nicht einmal der Deutschen Meisterin Louisa Brebeck aus Wuppertal gelang ins Semifinale einzuziehen, wirkte unser WM-Sternchen vor dem Durchgang deutlich weniger angespannt als einen Tag zuvor; die Erwartungen wurden ja bereits jetzt schon weit übertroffen. Außerdem gab es noch Videogrüße aus der Heimat, denn ihre Teammates von LNE befanden sich gerade im Trainingssaal (VIDEOLINK).
SPONTAN änderte die Turnierleitung die Startreihenfolge, da einige Tänzerinnen noch in anderen Wettbewerben tanzten. Aber wir wurden natürlich auch über diese Änderungen zeitnah von der deutschen Hallencrew informiert. Unter dem Jubel der nun doch schon etwas zahlreicheren Fans ging es als Siebte wieder auf die „Planche“…und wieder gelang ihr ein guter Durchgang.

Entspannt und glücklich über ihren Auftritt ging Kristina, gemeinsam mit Anna, wieder in Saal 1, um sich das dortige Programm weiter anzuschauen. Nach ungefähr einer Stunde kam Marc in den Saal und zeigte den beiden Mädels einen nach oben gerichteten Daumen, der dann zu einer Rakete wurde und gen Saaldecke emporzufliegen schien. Semifinale!!!!!!!!!!!!!!! Kristina brach vor ihrem Sitz zusammen und legte sich unter lautem Gelächter zwischen anderen Zuschauern auf den Teppich ….sprachlos…fassungslos……glücklich…. Nur noch 11 Tänzerinnen waren dabei. Die deutsche Vizemeisterin Anna Ziegler (Saarlouis) wurde 23., während sich Theresa Meckel aus Bensheim als Zwölfte den Anschlussplatz mit 2 Jamaikanerinnen….sorry Südafrikanerinnen teilte.
Doch was kam nun? Zunächst mussten wir die Flüge umbuchen. Da im letzten Jahr (wie schon erwähnt) noch nicht einmal die deutsche Meisterin das Semifinale erreichte schien es vermessen, direkt für die ganze WM zu buchen….und so dachten wir, dass wir sowieso am Donnerstag abreisen könnten…falsch gedacht.
Flüge…check… Hotel??? Das „Golebiewski“ war ausgebucht; somit konnte unsere dortige Buchung nicht verlängert werden. Trotzdem musste Anna wieder zurück nach HH, da der erste LNE Trainingstag anstand. Zum Glück fanden wir schnell eine weitere Bleibe ganz in der Nähe, in der auch mehrere russische Tänzer abgestiegen waren und konnten Annas Heimfahrt organisieren. Ferner wurde Silke kurzerhand aus Deutschland zur weiteren Unterstützung eingeflogen. Durchatmen…gute Nacht….

Freitag 12.12.2014
Ruhetag für Kristina. Da der Solo-Wettkampf pausierte, hatte man verstärkt die Gelegenheit sich andere Turniere anzuschauen und deutsche Acts zu unterstützen. Gegen Mitternacht folgte dann natürlich noch einmal eine kurze Trainingseinheit……Rituale sind bei LNE ja so wichtig…!

Samstag 13.12.2014
Was Kristina zum Frühstück aß möchten wir hier nicht erwähnen…nur so viel…ein Topmodel wäre wohl verhungert. Aber man tanzt ja nicht jeden Tag ein WM-Semifinale….wie das schon klingt…unwirklich und eigentlich unerreichbar. Deshalb war die Aufregung natürlich zu verstehen. Derweil trafen sich einige LNEler in Hamburg zum Livestreaming und sendeten abermals beste Wünsche nach Mikolajki.
Die Runde sollte originär um 12:42 Uhr im großen Saal 1 starten. Gegen 10:00 Uhr waren wir schon im Saal 2 zum „Wurm-up“. Aber es sollte dann doch noch etwas hektisch werden. Die Hallencrew erzählte uns, dass man das Turnier aufgrund einiger späterer potentieller Überschneidungen SPONTAN vorziehen wollte. Zunächst sollte es um 12:15 Uhr losgehen; dann auf einmal sogar um 12:00 Uhr… Also ´rüber in den anderen Saal. Da dort gerade eine kleine Pause war, huschten die 11 besten Moderntänzerinnen der Welt schnell auf die Bühne und hielten eine SPONTANstellprobe ab. „Was für eine geballte Qualität“, bemerkte eine Dame neben uns.

 

„Geballte Qualität“

Das Programm sollte nun mit der ersten Tänzerin weitergehen…und die wartete schon an der Bühne. Doch leider hatte man diese SPONTANE Änderung gemacht, ohne die für dieses Turnier zuständigen Wertungsrichter zu informieren. Obwohl man sich in der Halle einig war, auch ohne die Juroren anfangen zu können, entschied sich die Turnierleitung unverständlicherweise auf die entsprechenden Damen & Herren warten zu wollen…. Um die Wartezeit zu verkürzen schob man nun einfach ´mal ne Runde Jazz-Duo dazwischen. Besonders hart traf es 2 Norwegerinnen, die in beiden Wettbewerben vertreten waren und nun eiligst ihr Kostüm wechselten. Unfassbar… Da Kristina als 10. tanzen sollte, traf sie diese SPONTANTÄT nicht so hart….aber dieses Ereignis zeigte wohl auch dem Letzten, das man hier mit allem rechnen musste.
Also war man nun doch wieder fast in dem ursprünglichen Zeitplan angekommen… und das Turnier ging um 12:45 Uhr weiter.
Unter dem Applaus des deutschen Anhangs (VIDEOLINK) tanzte Kristina einen Durchgang, wie vom anderen Stern. Die schwierige Musik wurde derart mit Leben erfüllt, dass es einigen Zuschauern die Tränen in die Augen trieb. Zudem stand sie alle schwierigen Drehungen und zeigte sich stets voll balanciert. Sichtlich erleichtert kam sie strahlend von der Fläche. Ein kanadischer Betreuer bemerkte nur kurz: „Good girl!“ Und andere deutsche Tänzer waren voller Zuversicht, dass diese Leistung durchaus finalwürdig war. Sollte aus dem bisherigen Märchen zudem auch noch eine Riesensensation werden? Um 13:35 Uhr wurde „DIE LISTE“ ausgehängt….und Kristinas Name stand an zweiter Stelle.

Marc begab sich nun (mit Schnappatmung a la Horst Schlemmer) auf die Suche nach Kristina…Schnell eilten noch andere deutsche Tänzer herbei und bildeten einen kleinen Pulk um die einzige deutsche Finalistin in dieser Kategorie. Der pure Wahnsinn!! Louisa Sophie Brebeck scheiterte als Achte leider knapp an diesem Finale.
Um jetzt erstmal etwas abschalten zu können, verließ das kleine Hamburger Häufchen den Veranstaltungsort für ein paar Stunden. Etwas Ruhe finden und das Erlebte erst ´mal verarbeiten… Also weg von der Hektik und wieder ins Hotel mit dem Blick auf den wunderschönen Jezioro Mikolajski.


Das Finale sollte um 19:09 Uhr beginnen. Vorher wurde Kristina zudem noch die Ehre zuteil als eine von 20 ausgewählten deutschen Tänzern, die Nation bei der Länderparade auf der Bühne zu vertreten. (VIDEOLINK) Ein schönes Erlebnis zwischen all den Sportlern/Künstlern der verschiedenen Nationen zu stehen.

 

Doch dann wurde es wieder ernst. Mit Tunnelblick (VIDEOLINK) und Kopfhörern bereitete sich Kristina auf das WM-Finale vor. Sie betrat die Bühne als Zweite unter dem donnernden Jubel des deutschen Anhangs. Der Durchgang war gut, wenngleich sich auch einige Wackler einschlichen. Trotzdem brachte sie zum letzten Male ihr** „Nebesa“ im typischen Kristina-Style „flowig“ (was ist denn das für ein Wort?) auf die Fläche.

Nicht ganz zufrieden mit der eigenen Leistung wartete sie nun auf die Siegerehrung mit der Verkündung der Platzierungen…denn hier wird nach einem Finale nicht offen gewertet und man erfährt erst auf der Bühne die Rangfolge. SPONTAN wurde diese Zeremonie gut eine Stunde vorgezogen und eilig durch die Saalcrew eine Flagge organisiert.
Im Countdownmodus wurden dann die Platzierungen bekannt gegeben: (VIDEOLINK)
7. für Norwegen, 6. für Polen 5. für Slowenien und 4. füüüüüür DEUTSCHLAND…..Kristina ist die viertbeste Moderntänzerin* der blauen Murmel….

                          

Platz 1 und 2 gehen an die grandiosen Sloweninnen Arnika Matko Juvancic und Patricija Crnkovic. Bronze gewinnt die ebenfalls großartige Viktoria Larsen*** aus Norwegen.
Danach wurde gefeiert und gelacht… 4. Platz bei einer Weltmeisterschaft…das ist so verdammt GROSS! Kristina nahm die Glückwünsche von vielen Bekannten und Unbekannten entgegen und konnte an diesem Abend ihr Grinsen nicht mehr ablegen (VIDEOLINK) Warum auch?
Nachdem dann auch noch die deutschen Formationen gute Finalplatzierungen einfuhren war man nun gänzlich zufrieden… und auf einmal meldete sich nun doch noch Kristinas Hungergefühl.
Später traf man in der Hoteldisco viele Menschen aus vielen Nationen in ausgelassener Stimmung. Alle Beteiligten haben diese WM zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Den Organisatoren kann man SPONTAN bescheinigen, dass Sie sich größte Mühe gegeben haben; die Wertungsrichter verrichteten jeden Tag wieder Schwerstarbeit ohne große Pausen; die Tänzer waren immer freundlich zueinander. Wenn Mikolajki nun auch noch besser zu erreichen wäre, gäbe es an dieser Woche rein gar nichts auszusetzen.

Sonntag 14.12.14                                                                                                                                Gegen 11 Uhr ging es etwas wehmütig wieder gen Heimat. Dieses Mal am Tag und ohne Nebel, was die Fahrtzeit um gut eine Stunde verkürzte. Am Flughafen traf man noch einmal kurz auf andere deutsche Tänzer, die sich auf die verschiedenen Maschinen nach Deutschland aufteilten. Kurz wurden hier freundlich einige Informationen ausgetauscht und sich noch einmal gegenseitig gratuliert.
Gegen 20:00 Uhr waren wir wieder zuhause angekommen und merkten, dass wir noch immer ein Grinsen im Gesicht hatten….

 

Fußnoten:

*im Bereich des Sporttanzes
** sie hat es anfangs gehasst
*** (Miss Bauch 2014)
**** wie wir jetzt wissen, gibt es neben den rot/grün-Verwechslern nun auch Jamaika/Südafrika-Verwechsler